Immer wieder lesen wir in Ankündigungen von einem Tai Chi-Kurs oder seit einiger Zeit sogar von Tai Chi-Morgengymnastik….
Was bedeutet dieses Wort, dass oft sehnsuchtsvoll einerseits mit Ruhe, weichen und fließenden Bewegungen und andererseits mit innerer Kraft und Kampfkunst, assoziiert wird, eigentlich genau?
Schauen wir uns die einzelnen Schriftzeichen, bzw. die dazugehörige Pinyin-Umschrift (mehr dazu in meinen Artikel „Tao oder Dao oder was?“) an: Tai bedeutet sehr, zu sehr, höchste. Ji meint den äußersten Punkt, Extrem, Gipfel, ursprünglich: Firstbalken eines Satteldaches. In der Kombination bedeutet „Taiji“: „Das sehr große Äußerste, die großen Gegensätze / Polaritäten, sinngemäß: der Ursprung / das Zentrum des Kosmos“
Diese große Polarität, und so auch das, was den Kosmos zusammenhält, ist der beständige Wandel und die Interaktion von Yin und Yang. In den alten Schriften Chinas wird auch der Polarstern als Taiji bezeichnet, gleichsam als Dreh- und Angelpunkt des Himmels. Dieses Grundprinzips des Kosmos wurde etwa ab dem 11. Jahrhundert in dem uns bekannten Yin-Yang-Symbol dargestellt. Dieses Symbol heißt auf Chinesisch: „Taijitu – Symbol des sehr großen Höchsten“.
„Taiji“ ist also ursprünglich ein philosophischer Begriff und erst durch die Hinzufügung des Wortes „Quan“ (Faust, Boxkampf) wird die Bewegungs-bzw. Kampfkunst „Taijiquan“ daraus!
Dies meint, dass man die Ideen und Prinzipien des Wandels sowie das Yin im Yang und das Yang im Yin in Bewegung umsetzen kann und daraus innere Kraft entwickelt!
Bevor sich die international gültige Pinyin-Umschrift entwickelt hat, gab es verschiedene Schreibweisen, z.B.: Tai Chi Chuan – da damals aber das Schriftzeichen für Energie / Qi ebenfalls mit Chi umschrieben wurde, suggeriert diese Schreibweise, dass es hier um großes Qi geht….aber das ist hier nicht gemeint, auch wenn jede Taijiquan-Form natürlich auch ein Qigong, eine Energiearbeit ist…- dazu mehr im nächsten Artikel im September!
Letztlich sind es nur Worte, aber um den inneren Kern des Begriffes und seine tiefere Bedeutung nicht zu verschleiern, verwende ich für die wunderschöne Bewegungskunst lieber die Umschrift Taijiquan!
Das abgebildete Yin-Yang Mosaik befindet sich übrigens in dem wunderschönen daoistischen Übungs-Refugium meine Lehrerin Zhou Yi in La Mancha, Spanien!







