Die gesamte chinesische Kultur, ob Medizin, Philosophie, Kalligrafie oder Bewegungskunst, ist durchdrungen von dem Begriff “Qi” (in der veralteten Wade-Giles-Umschrift “Chi” geschrieben) – doch was bedeutet das eigentlich?
“Qi” (sprich: tschi) wird als eine das gesamte Universum durchdringende Energie beschrieben – alles, was existiert, sichtbar oder nicht, ist letztlich eine Manifestation des “Qi”! Im Chinesischen hat der Begriff rund 30 verschiedene Bedeutungen, z.B. Atem, Luft, Wetter, Temperament, Kraft, Atmosphäre und eben auch Lebensenergie. Auch wenn das “Qi” nicht sichtbar, nicht messbar und nicht genau definierbar ist, so wissen wir doch alle, was gemeint ist. Betreten wir einen Raum, können wir sofort die darin herrschende Energie, die Atmosphäre, intuitiv erfassen. Genauso können wir in einem Bruchteil von Sekunden den Gesichtsausdruck eines Menschen, zumindest unbewusst, einordnen. Das “Qi” bestimmter Landschaften spricht uns mehr an, als das einer anderen Umgebung. In der Chinesischen Medizin stellt “Qi” die Grundsubstanz des Universums dar, aus der alles entsteht und sich wandelt. Es beschreibt die Lebenskraft, die uns denken, verdauen, atmen, fühlen und handeln lässt. Die uns werden, wachsen, aber auch vergehen lässt. Und es ist die Schwingung, die alles mit allem verbindet.
Schauen wir das Schriftzeichen für Qi 氣 genauer an: Der linke untere Teil stellt symbolisch ein Reisfeld mit Körnern dar und bedeutet allgemein “Reis” – also das Grundnahrungsmittel der Chinesen. Rechts sehen wir Dampf oder eine Wolke aufsteigen. Aus dem Materiellen, dem Nähernden steigt Energie nach oben, wird immer feiner und ist letztlich nicht fassbar. Li Zhi-Chang beschrieb es so: „Qi ist Materie an der Grenze zum Nicht-Materiellen, bzw. Nichts an der Grenze zum Etwas!“
Das Schriftzeichen für gong (gesprochen: gung) bedeutet Verdienst durch beharrliches Üben, Können oder Geschicklichkeit. In der modernen Pinyin Umschrift werden zusammengesetzte Begriffe als ein Wort geschrieben und Qigong heißt dann sinngemäß: “beharrliches Üben mit und an der eigenen Lebensenergie”. Im alten China nannte man diesen Weg den Weg der Kultivierung!
Qigong ist eher ein Sammelname und viele verschiedene Methoden fallen darunter. Manche haben komplexe Bewegungsmuster, andere kommen ohne äußerlich sichtbare Bewegung aus und finden im Inneren durch Lenkung der Aufmerksamkeit statt. Auch Taijiquan ist eine Art Qigong, eine Art Übung mit der Lebensenergie – nur dass hier noch der Kampfkunst-Aspekt dazu kommt.
Noch bis zur Mitte der Neunziger Jahre wurde jede sanfte, fließende, ruhige Bewegungsfolge im Westen als Tai Chi (besser: Taijiquan) bezeichnet und erst nach und nach wurde hier das ganze Spektrum dieser wunderbaren Bewegungskunst, die sowohl heilende, als auch spirituelle und philosophische Aspekte hat, bekannt – es lohnt sich, geduldig diesen Weg der energetischen Kultivierung zu gehen!
Weitere Artikel zu chinseischen Fachbegriffen findet ihr hier: Tao oder Dao, oder was? Und hier: Tai Chi oder Taijji oder was?







