Vertieftes Üben

geschrieben von am Januar 11, 2014

Vertieftes Üben

Nun ist wieder ein Jahr vorbei und im Alltagstrubel bleibt so mancher Entschluss, mehr zu üben auf der Strecke.

Vielleicht sind folgende Zeilen ein Impuls zu einer anderen Weise des Übens:

„Der Himmel ist ruhig und klar, die Erde ist dauerhaft und friedlich.
Ruhige Weite ist das Haus des spirituellen Lichts, offene Selbstlosigkeit ist die Behausung des Dao. Wesen, die diese Eigenschaften einbüßen, gehen zugrunde, während jene, die sie sich zu Eigen machen leben.“

Diese Sätze stammen aus einem daoistischen Klassiker der frühen Han-Dynastie (2. vorchristliche Jahrhundert). Das Werk beschreibt einen Übungsweg, der die tiefe Durchdringung von Körper, Geist und Energie sowie ihre subtilen Verbindungen darlegt. Qigong, besonders der innere Zweig (Neigong), hat darin seine Wurzeln und wir können in jeder Übung eine Spur dieses tiefen Wissens finden, indem wir zuallererst den Körper weit und durchlässig werden lassen, sodass das Qi frei strömen kann.

Diese Weite und Offenheit ist allerdings nur zu erreichen, wenn unser Geist ruhig und friedlich werden kann; wenn wir beim Üben in der Lage sind, die Alltagsgedanken, Wünsche und Sorgen zu vergessen, leer davon zu werden. Solange wir unruhige Gedanken haben, unbedingt etwas erreichen wollen oder uns zu viele Gedanken über die richtige Ausführung einer Form machen, wird das Qi schnell blockiert, „verknotet“.

Die Wirkkraft unserer Übungen besteht  nur zu einem  Teil aus den Bewegungen, zum größeren Teil aber darin, dass wir diesen Geisteszustand von Frieden und Klarheit erreichen, in dem wir selbstvergessen ganz bei den Bewegungen sein können. Dann spielt es keine Rolle, ob es äußere Bewegungen wie bei den Acht Brokatübungen sind oder innere Bewegungen, wie beim Kleinen Kreislauf oder eine “Bewegung ohne Bewegung”.

Vertieftes Üben ist ein Üben mit friedvollem Herzen, so absichtslos wie möglich – und wenn wir nur einige Minuten weit und offen dasitzen und das Qi in uns wirken lassen!

„Das Dao ist ewig ohne Tun

und doch bleibt nichts ungetan.“

Laotse