Daoistische Meditation

„Eins werden mit dem Dao“

Dies wird oft als Metapher für die daoistische Meditation genannt und bedeutet das Zusammenspiel von Yin und Yang zu durchdringen und dann  darüber hinausgehen – zur Leere. Oder wie Laotse formulierte: zum Geheimnis der Einheit zwischen Sein und Nicht-Sein.

Ruhe und Bewegung sind Ausdruck von Yin und Yang. In jeder Qigong Übung sind beide Pole vorhanden, mal üben wir mehr die Ruhe in der Bewegung, mal mehr die Bewegung in der Ruhe. Und dennoch: mit Ausnahme einiger Übungen des Stillen Qigong wird das Tun gegenüber dem Nicht-Tun sehr in den Vordergrund gestellt. Es ist auch Ausdruck unserer Zeit und Zeichen der „Verwestlichung“ der Übungen, dass die meisten Menschen vor allem an den äußeren Formen und Bewegungen  interessiert sind.

Die daoistische Praxis versucht Yin und Yang in ihrer Tiefe auszuloten um die hinter dieser Polarität liegende Einheit zu erfahren.

Kernstück der Daoistischen Praxis ist die Meditation.

Bereits im Buch Zhuangzi aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert wird das „Fasten des Herzens“ erwähnt und der Begriff „Sitzen und Vergessen (zuowang)“ geprägt. Im 8. Jahrhundert entstand die Schrift „Zuowanglun“, die Abhandlung über das Sitzen in Vergessenheit.

„Vergessen“ werden sollen das diskursive Denken, das Verstricktsein in die verschiedensten Angelegenheiten, die intellektuelle Beschäftigung, die Sorgen usw.

Dieses bewußte Denken wird dem nachgeburtlichen Geist  zugerechnet, der geklärt werden soll, um wieder zum  ursprünglichen Geist (Shen)  zurückzukehren. Erst in tiefer Stille, weitgehend ohne Absichten,  können wir uns für unser Dao, für unseren Weg öffnen.

Das Sitzen in Stille, ohne sich um aufsteigende Gedanken zu kümmern, ist die Basis für die daoistische Praxis, alle Techniken und Methoden kommen erst danach. Zu viele Gedanken erzeugen „inneres Feuer“ (Yang), dieses Feuer kann auf der körperlichen Ebene zu Schlaflosigkeit, Hitzewallungen, Bluthochdruck, Burn-out-Syndrom usw. führen. Das Heilmittel gegen Feuer ist Wasser (Yin), also Ruhe, Stille, Frieden.

In diesem einfachen „Sitzen in Vergessenheit“ gelangen wir vom Tun (Youwei) zum Nicht-Tun (Wuwei). Dies ist ein Zustand des absichtslosen Wartens, ohne etwas zu er-warten, es ist die Basis für alle Heilungsprozesse.

Die Stille ist die einzige Medizin, die wir selber herstellen können!                                (Daoistische Weisheit)