Qigong meets Quantenphysik

geschrieben von am April 15, 2012

Qigong meets Quantenphysik

Der Titel des Buches vom Imke Bock-Möbius hat mich fasziniert, da hier eine promovierte Physikerin schreibt, die gleichzeitig Qigong Lehrerin ist.

Sie versucht die Berührungspunkte der drei großen Felder Qigong, Mystik und Quantenphysik aufzuzeigen, bzw. das ihnen zugrunde liegende „Prinzip Einheit“ zu beschreiben.

Bereits Fritjof Capra hat 1976 in seinem Buch „Das Tao der Physik“ beschrieben, wie sehr unser Weltbild noch immer von der westlichen Tradition der Trennung in tote Materie und belebten Geist geprägt ist, obwohl die Erkenntnisse der Quantenphysik diese Trennung in Frage stellen.

Etliche der frühen Atomphysiker haben sich auch mit dem fernöstlichen Denken beschäftigt und Parallelen gefunden. So hat Niels Bohr in sein Wappen ein Yin-Yang Zeichen eingefügt und die Worte „Gegensätze sind Ergänzungen“.

Diese Komplementarität ist als Polarität der großen Wirkkräfte Yin und Yang im daoistischen Denken tief verwurzelt. Beide bilden nur zusammen ein Ganzes, sind alleine für sich sinnlose Begriffe, ergänzen und verwandeln sich gegenseitig. Beispiel: Tag –Nacht, beide bilden nur gemeinsam den 24 Stunden Rhythmus unserer Zeiteinteilung, gehen allmählich ineinander über, haben jeweils Phasen des Werdens, Wachsens und wieder Vergehens.

In der Atomphysik spiegelt sich diese Polarität im Welle-Teilchen Dualismus wieder, durch den die subatomare Wirklichkeit besser beschrieben wird als durch eine strenge Trennung beider Phänomene. Auch Raum und Zeit, Materie und Geist, mystische Erfahrung und klare sprachliche Einordnung sind solche Polaritäten.

Imke Bock-Möbius führt in ihrem Buch sehr gelungen in Daoismus und Qigong ein und ihre Beschreibung der „Quantenphysik für Fußgänger“ ist die Chance, endlich einmal den Hauch einer Ahnung von dieser Materie zu bekommen.

Auch wenn die tiefen Erfahrungen, die wir im Qigong machen können, niemals vollständig beschrieben werden können, sondern er- bzw. gelebt werden wollen, freut sich unser Geist auf ein bisschen Gedankenfutter und Erklärungsmodelle.

So ist es auch hier eine Polarität, ein DAO: sich ganz an die Übung hingeben, ganz darin sein und andererseits auch dieses Geschehen reflektieren können.

Besonders gefallen hat mir ihre Beschreibung, das jede Qigong Übung gleichsam ein „Quantum Dao“ enthält, eine kleine Portion der Einheit:

Gleichzeitig verwurzelt zu sein und sich aufzurichten, sich in der Bewegung zu öffnen und wieder zu schließen, zu tun und gleichzeitig geschehen lassen.

Dann entsteht etwas, was über die Polarität hinaus führt und letztlich unbenennbar ist.